Ein Interview ( Auszug) mit Antje Uffmann von Julia Rheingans
Antje, Du bist seit 30 Jahren dabei- als Seelsorgerin, Seminarleiterin und Therapeutin. Was schätzen Deine Klient*innen an Dir?
Ohje- also- Feedbacks, die ich immer wieder höre: „Als Mensch spürbar. Kreativ. Empathisch. Gibt Sicherheit. Bekommt jede Körperregung mit und macht manchmal leicht verrückte Interventionen, die gut wirken.“
Wie empfindest Du Zoom- und Telefonsitzungen?
Sie haben ihr eigenes Potential. Ich mache das schon seit Jahrzehnten, da ich Klientel aus dem gesamten deutschsprachigem Raum habe. Und habe gute Erfahrungen damit. Einmal habe ich im Scherz gesagt: “Hey, es gibt ja auch Telefonsex- wieso dann nicht auch Telefontherapie?“ So wurde der Satz „Was hast Du an?“ bei vielen Klient*innen zu einem schönen Running Gag. Und ich will wirklich wissen, wo und wie jemand gerade ist. Damit eine sichere Umgebung bewußt wird. Das Telefonat ermöglicht ein gutes „Bei sich sein“. Die Augen schließen, meine Stimme nah zu hören- das ist für viele unterstützend. Jüngere Klient*innen sind mit Zoom oft vertrauter und fühlen sich sicherer, wenn sie mich auch sehen.
Hast Du eine Lieblings-Therapiemethode?
Ja. Ich arbeite gern zusammen mit Mutter Natur, die größte Therapeutin überhaupt. Also draußen. Im Wald. Was fällt Dir so leicht, dass Du glaubst, jeder müsste das können? Hm. Vielleicht, das „Kind in mir“ mitmachen zu lassen. Und ich speichere komplexe mehrdimensionale innere Landkarten zu jedem Menschen, die auch nach Jahrzehnten noch abrufbar sind. So verschusselt ich auch sonst bin.
Wie gehst Du damit um, wenn das Impfthema in der Therapie auftaucht?
Empathisch. De-eskalierend. Ich bin geimpft und habe dazu eine Meinung. Ich bin aber nicht damit identifiziert. Wir brauchen da alle eine gewisse Demut. Was wissen wir schon letztendlich? Ich verorte mich postrational – und kann beiden Anschauungen die Möglichkeit einräumen, dass sie berechtigt sind. Und uns Menschen das Recht, uns zu irren.
Hast Du einen Ratschlag für uns, was diese aktuell hoch geladene Zeit angeht?
Immer wieder ins Vertrauen gehen. Ausatmen. Sich auf die Erde legen. Emotional achtsam sein, nicht jede Empörung mitmachen. Anstatt von Schuld lieber von Verantwortung sprechen. Selbstberuhigung lernen. Die eigenen Grenzen akzeptieren. Leidenschaftlich und kühn sein, was neue Ideen angeht. Mit der Selbstoptimierung aufhören. In die Natur gehen.

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